Ich war das Kind, das ständig träumte, während die anderen längst weiterarbeiteten.
Das Kind, das Hausaufgaben vergaß, Zettel verlor, und sich in Gedanken verschwunden.
In der Schule war ich der, der „nicht stillsitzen“ konnte.
Der, der „klug, aber faul“ genannt wurde.
Oder einfach – „der Dumme“.
Ich erinnere mich an den Blick der Lehrer,
diese Mischung aus Ungeduld und Enttäuschung.
Und an das Gefühl in meinem Bauch,
wenn ich wieder einmal nicht verstanden hatte, was gerade von mir verlangt wurde.
Ich wollte so gerne „normal“ sein,
aber egal, wie sehr ich mich anstrengte –
mein Kopf machte einfach sein eigenes Ding.
Ich verstand die Welt nicht –
und die Welt verstand mich nicht.
Erst viele Jahre später wurde mir klar, dass es kein Mangel an Intelligenz war,
sondern einfach ein anders funktionierendes Gehirn.
Ein Gehirn, das intensiver fühlt, schneller denkt,
aber auch leichter abgelenkt ist und sich in tausend Richtungen verliert.
Heute weiß ich:
ADHS ist kein Defekt – es ist eine andere Art, die Welt zu erleben.
Doch ohne das richtige Verständnis, ohne die passende Unterstützung,
kann dieses Geschenk leicht zu einer Last werden.
Deshalb begleite ich heute Eltern von Kindern mit ADHS.
Weil ich möchte, dass kein Kind mehr glauben muss, es sei „dumm“ oder „zu anstrengend“.
Ich möchte, dass Eltern verstehen, was in ihrem Kind wirklich vorgeht –
und dass sie Werkzeuge an die Hand bekommen,
um ihr Kind zu stärken, zu führen und zu lieben,
so wie es ist.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man kämpft,
und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man endlich versteht.
Und genau das möchte ich weitergeben.